Die Oktober-Erhebung des Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa zeigt eine markante Eintrübung des Geschäftsklimas in der Region. Nachdem der Geschäftsklima-Indikator bereits im Juli 2011 gesunken war, setzt sich die Abwärtsbewegung nun in verstärkter Form fort. Ausschlaggebend dafür sind in erster Linie die merklich weniger optimistischen Erwartungen der Direktinvestoren für die künftige Performance ihrer MOE-Beteiligungen. Darüber hinaus weisen die Angaben der Erhebungsteilnehmer auf einen erneuten konjunkturellen Abschwung in der Region hin.
In Hinblick auf die aktuelle Performance ihrer Niederlassungen zeigen sich die rund 400 MOE-Headquarters, die von Österreich aus ihre 1.400 Unternehmensbeteiligungen steuern, insgesamt zufrieden: Für immerhin 44 % der Betriebe vor Ort wird ein guter Geschäftsgang gemeldet, während für 15 % der Beteiligungen die Lage als negativ eingestuft wird. Der entsprechende Indikator verzeichnet gegenüber Juli einen nur geringfügigen Rückgang um 1 Prozentpunkt auf einen Wert von +29. Die Einschätzungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten haben die Direktinvestoren hingegen deutlich zurückgeschraubt. Konkret sinkt der Indikator der Geschäftserwartungen im Oktober um 25 Prozentpunkte auf +6. Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass die Geschäftserwartungen per Saldo erstmals seit April 2009 wieder schlechter beurteilt werden als die derzeitige Geschäftslage. Dementsprechend bricht der Geschäftsklima-Indikator im Oktober um 13 Prozentpunkte ein und liegt mit einem aktuellen Wert von +17 klar unter seinem langfristigen Durchschnitt (2007-2011) von +28. Insgesamt deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass auf die Erholungsphase nach der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/2009 erneut schwierigere Zeiten für Mittelosteuropa folgen werden.
Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima Mittelosteuropa; MOE insgesamt
(Salden in Prozentpunkten)

Quelle: OeKB Information Services
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MOE-Exporte schwächen sich ab
Neben den Geschäftserwartungen haben die Direktinvestoren in der aktuellen Erhebung auch ihre Einschätzungen hinsichtlich der Exportentwicklung merklich nach unten revidiert. Rechneten im Juli 2011 noch mehr als die Hälfte der Unternehmenszentralen mit steigenden Exportumsätzen in den nächsten zwölf Monaten, so sinkt der Vergleichswert im Oktober auf ein Drittel. Gleichzeitig verdreifacht sich der Anteil jener MOE-Headquarters, die einen Rückgang bei den Ausfuhrumsätzen erwarten, von 4 % auf 12 %. Insgesamt könnten sich daher die Impulse, die von den Exporten nach Mittelosteuropa auf die österreichische Wirtschaft ausgehen, im nächsten Jahr etwas abschwächen. Starke Einbrüche im Exportwachstum sind allerdings nicht zu erwarten, zumal immerhin 55 % der Unternehmenszentralen mit einer gleichbleibenden Entwicklung der Ausfuhren rechnen.
Drohender Konjunktureinbruch in der Gesamtregion, vor allem in Ungarn
Hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Perspektiven für die Region Mittelosteuropa verdichten sich die Anzeichen für einen erneuten Dämpfer in den kommenden Monaten. Nachdem die Rückgänge des Konjunktur-Indikators in den letzten beiden Erhebungen bereits auf eine Abschwächung der Wachstumsdynamik hingewiesen haben, verzeichnet der Saldenwert im Oktober 2011 einen massiven Einbruch um 38 Prozentpunkte auf -6. Zum ersten Mal seit über zwei Jahren rutscht der Indikator damit wieder in den negativen Bereich. Dies bedeutet, dass die Negativmeldungen zur Konjunktur in Mittelosteuropa die optimistischen Stellungnahmen übersteigen. Ein dermaßen drastischer Absturz des Konjunktur-Indikators war erstmals im Oktober 2008, also beim Ausbruch der weltweiten Wirtschaftskrise, zu beobachten. Die Direktinvestoren scheinen somit von einem Rückschlag im Erholungsprozess der zum Teil schwer krisengeschüttelten MOE-Staaten auszugehen.
Eine nähere Betrachtung der aktuellen Ergebnisse auf Länderebene zeigt, dass insbesondere in Ungarn dunkle Wolken am Konjunkturhimmel aufziehen: Konkret gehen 42 % der Direktinvestoren von einer Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds in den kommenden zwölf Monaten aus. 51 % der Befragten erwarten einen gleichbleibenden Wirtschaftsverlauf, wohingegen lediglich 7 % mit einer wirtschaftlichen Verbesserung rechnen. Der ausgeprägte Konjunkturpessimismus für das stark verschuldete Ungarn spiegelt wohl auch die Verunsicherung der Direktinvestoren wider, die mit umstrittenen Maßnahmen wie dem neuen Fremdwährungsgesetz oder Sondersteuern für ausgewählte Branchen (z.B. Telekom, Banken, Handel) konfrontiert sind. Dementsprechend trüb sind auch die Geschäftserwartungen für die ungarischen Beteiligungen, was sich wiederum in einer Verschlechterung des Geschäftsklimas niederschlägt. Ungarn ist derzeit das einzige Land, für das der Geschäftsklima-Indikator einen negativen Saldenwert (4 Prozentpunkte) aufweist.
Gemischte Signale für die Ukraine
Bemerkenswert, allerdings in anderer Weise, sind auch die Einschätzungen der Direktinvestoren in Bezug auf die Ukraine. Herrschte in dem von der globalen Krise besonders stark getroffenen Land vor einem Jahr noch das ungünstigste Geschäftsklima in der Region, so weist der entsprechende Indikator im Oktober 2011 mit einem Wert von +29 Prozentpunkten ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis auf. Dies liegt vor allem an der hohen Zufriedenheit der Erhebungsteilnehmer mit der aktuellen Performance der Betriebe: Für mehr als die Hälfte der Niederlassungen vor Ort werden gut laufende Geschäfte gemeldet, wohingegen nur für 10 % der Betriebe die Lage als schlecht beurteilt wird. Im Lichte schlechterer Konjunkturperspektiven schrauben die Direktinvestoren jedoch auch für die Ukraine ihre Geschäftserwartungen zurück: Der diesbezügliche Indikator fällt um 36 Prozentpunkte.
Verkehrssektor bekommt wirtschaftliche Abschwächung zu spüren
Differenziert nach Branchen, stechen vor allem die aktuellen Ergebnisse für den Verkehrssektor ins Auge. Die konjunktursensible Sparte reagiert erwartungsgemäß besonders stark auf die derzeitige wirtschaftliche Abschwächung und den drohenden Konjunktureinbruch in Mittelosteuropa: Sowohl bei der aktuellen Performance als auch bei den Geschäftserwartungen korrigieren die Direktinvestoren ihre Einschätzungen stark nach unten. Für das Geschäftsklima im Verkehrssektor bedeutet dies eine merkliche Verschlechterung: Lag der entsprechende Indikator im Juli mit einem Wert von +37 Prozentpunkten noch im Spitzenfeld, so fällt der Wirtschaftszweig mit einem aktuellen Ergebnis von nur mehr +7 Prozentpunkten im Branchenvergleich deutlich zurück. Bemerkenswert ist, dass die Direktinvestoren aus der Branche trotz der anspannten Situation mehrheitlich an ihrer Präsenz in Mittelosteuropa festhalten: Mehr als 80 % der Beteiligungen sollen im kommenden Jahr unverändert beibehalten werden, bei 16 % der Betriebe steht sogar ein Ausbau auf dem Plan. Nur 3 % der Niederlassungen sollen verkleinert bzw. geschlossen werden. Dies unterstreicht die unverändert große Bedeutung Mittelosteuropas für die Direktinvestoren aus dem Verkehrssektor, auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten.
Getrübte Stimmung bei den Banken
Im Bankensektor hat sich die Stimmung der Direktinvestoren gegenüber der letzten Erhebung markant verschlechtert. Die ungünstigeren Rahmenbedingungen, die sich etwa durch die Einführung neuer Bankenabgaben in Ungarn und der Slowakei ergeben haben, spiegeln sich offensichtlich direkt in den Einschätzungen der Erhebungsteilnehmer wider. So sinkt im Oktober nicht nur die Zufriedenheit mit der derzeitigen Performance, sondern auch die Zuversicht in Bezug auf die Geschäftsentwicklung im nächsten halben Jahr. Für das Geschäftsklima im Bankwesen hat dies eine eindeutige Abkühlung zur Folge: Der entsprechende Indikator fällt um 26 Prozentpunkte auf +10. Weniger stark betroffen vom schwierigen Marktumfeld scheint hingegen die zweite Sparte des Finanzdienstleistungssektors, das Versicherungswesen, zu sein. Zwar geht der Geschäftsklima-Indikator auch für diesen Sektor zurück, allerdings mit einem Minus von 8 Prozentpunkten viel weniger deutlich als im Bankwesen. Im Branchenvergleich weisen die Versicherungen mit einem aktuellen Saldenwert von +22 ein relativ gutes Ergebnis auf.
Rückfragehinweis
Mag. Wolfgang Lueghammer
Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB)
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wolfgang.lueghammer@oekb.at
Mag. Verena Ebner
Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB)
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Tel. +43 1 531 27-2560
verena.ebner@oekb.at