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01.08.2012

Direktinvestoren befürchten eine Beeinträchtigung der Region durch die Euro-Krise – Geschäftsklima trübt sich etwas ein, Konjunkturentwicklung wird vorsichtiger beurteilt

Wien (OTS) – Das Geschäftsklima in Mittelosteuropa hat sich im Juli verschlechtert, nachdem es sich noch im April vorübergehend aufgehellt hatte. Die Direktinvestoren sind zwar mit der Performance ihrer MOE-Beteiligungen nach wie vor zufrieden, die Geschäftserwartungen zeigen allerdings deutlich nach unten. Auch die Konjunktur in der Region wird voraussichtlich in den nächsten zwölf Monaten an Schwung verlieren. Expandiert wird weiterhin – wenn auch vorsichtig und regional sehr unterschiedlich.

Der quartalsweise errechnete Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa der Oesterreichischen Kontrollbank AG basiert auf den Einschätzungen und Erwartungen von rund 400 Headquarters, die von Österreich aus ca. 1.500 MOE-Beteiligungen steuern. Erstmals seit Erhebungsbeginn im Jahr 2007 werden ab Juli 2012 nun auch Indizes (2007=100) publiziert: Konkret ist im Juli der Indexwert des Geschäftsklimas von 86,0 im April auf 83,4 gefallen.

Die Aktuelle Geschäftslage zeigt sich zwar robust, wird aber vorsichtiger bewertet. Der entsprechende Indexwert sinkt von 84,7 im April auf 83,6 im Juli. Richtungsweisend für die Zukunft ist der Indexwert der Geschäftserwartungen: Dieser geht vergleichsweise deutlich von 87,2 im April auf 82,9 im Juli zurück und signalisiert damit für das 2. Halbjahr 2012 eine nachlassende Geschäftsperformance der MOE-Beteiligungen. Auch die Wirtschaftsentwicklung in der Region wird gemäß den Einschätzungen der Erhebungsteilnehmer an Kraft verlieren.

Der Konjunktur-Index, der im April noch einen Wert von 81,4 aufwies, liegt nun bei 78,3. Damit weist er von allen Kernindikatoren den niedrigsten Wert auf und ist im Vergleich zum Basisjahr 2007 insgesamt am stärksten zurückgegangen.
Die Strategien der Direktinvestoren bezüglich der zukünftigen Marktpräsenz sind regional sehr unterschiedlich, wobei laut Juli-Erhebung insbesondere in Russland und Polen bestehende Niederlassungen ausgebaut werden sollen. Polen positioniert sich darüber hinaus als das wichtigste Zielland für Neuinvestitionsprojekte: 16 % der 45 für MOE insgesamt gemeldeten Projekte sollen allein in Polen realisiert werden, am zweitstärksten positioniert sich Serbien mit 13 %, gefolgt von Kroatien mit 9 %.

MOE insgesamt: Geschäftslage, Geschäftserwartungen, Geschäftsklima (Index: Mittelwert 2007=100)

MOE insgesamt: Geschäftslage, Geschäftserwartungen, Geschäftsklima (Index: Mittelwert 2007=100)
MOE insgesamt: Geschäftslage, Geschäftserwartungen, Geschäftsklima (Index: Mittelwert 2007=100)

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Unterschiedliche Stimmungsbilder in den Ländern

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten differenzieren die Direktinvestoren deutlich bezüglich ihrer Länder-Einschätzungen. Zwar zeigen im Juli die zukunftsgerichteten Indizes zu Konjunktur und Geschäftserwartungen für die einzelnen MOEL fast ausnahmslos nach unten, das Ausmaß der Abwärtsbewegung ist jedoch von Land zu Land sehr unterschiedlich. Determinanten für die Bewertung der Länder dürften aktuell u.a. das Ausmaß der wirtschaftlichen Verflechtung mit der EU, die Marktgröße und die Stärke des Inlandskonsums sein. Demnach ist Russland - gefolgt von Polen - im Juli das Land mit dem günstigsten Geschäftsklima und den besten Wirtschaftsaussichten, während sich etwa das Euroland Slowenien hinsichtlich Konjunktur und Geschäftsklima jeweils im unteren Drittel der Länder-Rankings einordnet. Bemerkenswert ist, dass die Ukraine beim Geschäftsklima-Ranking nun an dritter Stelle liegt, was in erster Linie auf sehr optimistische Geschäftserwartungen zurückzuführen ist. Konkret ist die Ukraine im Juli das einzige Land mit einem – gegenüber April - positiveren Geschäftsausblick. Scheinbar losgelöst von ihrer ermutigenden betriebswirtschaftlichen Perspektive bewerten die Direktinvestoren die makroökonomische Situation des Landes weit weniger optimistisch: In keinem anderen MOEL rasselt der Konjunkturindex im Juli derartig stark nach unten, nämlich von 84,9 im April auf aktuell 73,4. 

Neues Land im Fokus: Bosnien Herzegowina

Seit Juli werden im Rahmen des "OeKB Geschäftsklima-Index MOE"  nun auch Indikatoren und Indizes für Bosnien Herzegowina ausgewiesen. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass die Auswirkungen der Euro-Krise und das Klima der allgemeinen Verunsicherung Bosnien Herzegowina besonders hart trifft: Von den zwölf Ländern, die im Detail analysiert werden, trübt sich hier das Geschäftsklima im Juli am stärksten ein. Zum einen sinkt die Zufriedenheit der Direktinvestoren mit der Performance ihrer Unternehmensbeteiligungen, zum anderen verschlechtern sich – im Kontext der sich verlangsamenden Konjunktur – die Geschäftsaussichten deutlich. Hinsichtlich der Erweiterungsinvestitionen werden in den nächsten Monaten insgesamt etwas mehr Standorte verkleinert als ausgebaut. Dies trifft allerdings nicht auf die Finanzdienstleister vor Ort zu, die sämtliche ihrer Niederlassungen in Bosnien Herzegowina in den kommenden Monaten unverändert beibehalten wollen. 

Banken melden eine robuste Geschäftsperformance in MOE

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen signalisieren die Banken nach wie vor gut gehende Geschäfte in MOE, auch wenn der entsprechende Index gegenüber April sinkt. Für 88 % der Osttöchter wird die aktuelle Geschäftslage als gut bzw. saisonüblich beurteilt. Hinsichtlich ihrer Geschäftsperspektiven gehören die Banken im Juli sogar zu den optimistischsten Branchen, konkret wird für ca. ein Viertel der Bankentöchter mit einer verbesserten Geschäftsentwicklung im 2. Halbjahr 2012 gerechnet. Im Vergleich dazu zeigen sich die Versicherungen - insbesondere was die Geschäftserwartungen betrifft - deutlich vorsichtiger, wodurch das Geschäftsklima in dieser Branche etwas gedämpfter ist als im Bankensektor. Dennoch verhalten sich die Versicherungen vergleichsweise investitionsfreudiger: 19 % der Versicherungstöchter sollen demnächst ausgebaut werden, bei den Banken sind es 9 %. Hinsichtlich der Neuinvestitionsstrategien planen 29 % der Versicherungen einen Eintritt in neue Märkte, während bei den Banken, die seit Jänner 2010 regional nicht expandiert haben, 6 % der Headquarters im Juli ein Neuinvestitionsprojekt melden. 

Energie- und Wasserversorger pessimistisch und defensiv

Die Energie- und Wasserversorgungswirtschaft ist schon seit längerem mit ihrer Geschäftsperformance in Mittelosteuropa unzufrieden. Auch die Ergebnisse der aktuellen Erhebung bestätigen, dass die Rahmenbedingungen für die Geschäftsentwicklung dieser Branche schwierig bleiben. Die jeweiligen Indizes zu Geschäftslage, -erwartungen und Geschäftsklima sind im Juli neuerlich stark eingebrochen und liegen im Branchenvergleich am weitesten unter den Ausgangswerten von 2007. Dementsprechend stehen die Zeichen auf gemäßigten Rückzug aus der Region: Rund ein Drittel der bestehenden Beteiligungen soll in den nächsten Monaten verkleinert oder geschlossen werden. Seit Jahresbeginn 2012 ist zudem kein einziges Neuinvestitionsprojekt in Planung.

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Mag. Wolfgang Lueghammer
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