08.02.2012

Geschäftserwartungen und Investitionspläne der Direktinvestoren für die Gesamtregion bleiben stabil/ Stärkere Differenzierung zwischen den einzelnen Ländern

Die rund 400 Headquarters, die von Österreich aus ihre 1.400
MOE-Unternehmensbeteiligungen steuern, wurden im Jänner erneut zu ihren Einschätzungen und Erwartungen hinsichtlich der Konjunktur- und Geschäftsentwicklung in der Region befragt. Das wichtigste Ergebnis: Die Stimmung unter den Direktinvestoren für die Gesamtregion Mittelosteuropa hat sich seit Oktober 2011 kaum verschlechtert. Wohl aber gibt es zwischen den einzelnen Ländern bzw. Branchen teilweise große Unterschiede in den Ergebnissen.

Laut der aktuellen Erhebung zum Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa trübt sich das Geschäftsklima in der Gesamtregion im Jänner etwas ein, der Geschäftsklima-Indikator sinkt um 3 Prozentpunkte auf +14. Zurückzuführen ist dies auf eine vorsichtigere Beurteilung der Direktinvestoren hinsichtlich der Aktuellen Geschäftslage ihrer MOE-Niederlassungen. Der entsprechende Indikator fällt um 6 Prozentpunkte auf +23. Hinsichtlich der Geschäftserwartungen hat sich das Bild hingegen seit der letzten Erhebung kaum verändert, obwohl die Direktinvestoren für 2012 von einer weiteren Konjunkturverlangsamung ausgehen. Auch bezüglich des Ausbaus bestehender Beteiligungen gibt es gegenüber Oktober keine strategische Neuorientierung: Es geht weiterhin um Konsolidierung der bestehenden Standorte bzw. vorsichtige Expansion in der Region. Konkret sollen in den nächsten zwölf Monaten 79% der Unternehmensbeteiligungen unverändert beibehalten werden, 13% stehen vor einem Ausbau und 8% vor einem Abbau. Darüber hinaus stehen 48 Markteintrittsprojekte auf der Agenda, wobei die wichtigsten Zielländer Serbien Montenegro, Mazedonien, Polen, Rumänien und Russland sind.

Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima Mittelosteuropa; MOE insgesamt (Salden in Prozentpunkten)

Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima Mittelosteuropa; MOE insgesamt (Salden in Prozentpunkten)<br/>

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Region wird uneinheitlicher beurteilt

Aufgrund des derzeit schwierigen wirtschaftlichen Umfelds für die mittelosteuropäischen Länder differenzieren die Direktinvestoren stärker zwischen den einzelnen MOEL, was ihre Erwartungen hinsichtlich Konjunktur- und Geschäftsentwicklung betrifft. Die gestiegene Vorsicht basiert primär auf der hohen EU-Exportorientierung und wird durch länderspezifische Entwicklungen entweder abgeschwächt (z.B. Polen) oder verstärkt (z.B. Ungarn). Russland und die Ukraine zeigen sich von der Schuldenkrise in der Euro-Zone bzw. von der wirtschaftlichen Entwicklung in der EU weniger betroffen: Für beide Länder weisen insbesondere die drei zukunftsgerichteten Indikatoren - Konjunktur, Geschäftserwartungen und Erweiterungsinvestitionen - im Jänner nach oben, wobei der Optimismus in Bezug auf die Wirtschafts- und Geschäftsentwicklung in der Ukraine besonders markant ist. In Russland werden zudem aus der Sicht der Direktinvestoren aktuell die besten Geschäfte gemacht, dort herrscht auch das beste Geschäftsklima in der Gesamtregion.

Ungarn stürzt aus der Sicht der Direktinvestoren ab

Im Jänner schrauben die Erhebungsteilnehmer ihre Einschätzungen für den Wirtschaftsstandort Ungarn drastisch zurück: Der Konjunktur-Indikator stürzt auf einen Wert von -74 ab. Die ohnehin schwache Wirtschaftsentwicklung Ungarns wird demnach 2012 einen weiteren Einbruch erleiden. Auch die Geschäftsperspektiven haben sich deutlich verschlechtert, nicht zuletzt aufgrund von umstrittenen Maßnahmen der ungarischen Regierung wie dem Fremdwährungsgesetz oder der Einführung von Sondersteuern für ausgewählte Branchen, z.B. Banken, Energie und Handel. In keinem anderen MOEL wird die Aktuelle Geschäftssituation derart negativ beurteilt, der entsprechende Indikator sinkt um 24 Prozentpunkte auf -17. Auch die Geschäftserwartungen sind überwiegend negativ, so dass sich das Geschäftsklima in Ungarn weiter verschlechtert. Der Indikator sinkt um 27 Prozentpunkte auf einen Wert von -31.

Geschäftsklima der Banken bleibt stabil - trotz schwieriger Bedingungen

Der Geschäftsklima-Indikator für den Bankensektor entwickelt sich im Jänner seitwärts und verharrt auf einem Wert von +10. Während sich die Banken im Jänner mit ihrer aktuellen Geschäftssituation zufrieden zeigen und sich die positive Stimmung gegenüber Oktober sogar noch steigert, schrauben sie ihre Geschäftserwartungen neuerlich zurück: Der entsprechende Indikator sinkt um 6 Prozentpunkte auf -8, für nahezu ein Fünftel der Osttöchter verschlechtern sich die Geschäftsperspektiven. Der Indikator der Erweiterungsinvestitionen rutscht im Jänner zwar in den negativen Bereich (auf -1), ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass 2012 sehr wohl ein Abbau bei 10% der Osttöchter geplant ist, dem aber eine Präsenzverstärkung in 9% der Bankenbeteiligungen gegenüber steht. Über 80% der MOE-Banken bleiben unverändert in der Region verankert. Zurückhaltung herrscht allerdings nach wie vor bei der Errichtung neuer Standorte: Bereits seit Jänner 2010 steht kein einziges Markteintrittsprojekt auf der Agenda der Finanzinstitute.

Zufriedene Versicherungen, pessimistische Energie- und Wasserversorger

Die Versicherungen verfügen im Branchenvergleich über das beste Geschäftsklima in der Region, was auf eine positive Beurteilung der Aktuellen Geschäftslage und gestiegene Geschäftserwartungen zurückzuführen ist. Zudem sollen 7% der Niederlassungen in den kommenden zwölf Monaten ausgebaut werden, kein einziger Standort steht vor einem Abbau. Ganz anders stellt sich hingegen die Situation in der Energie- und Wasserversorgungswirtschaft dar. Für ein Fünftel der Energie- und Wasserversorger wird die Aktuelle Geschäftslage als schlecht beurteilt. In den nächsten sechs Monaten wird sich die Lage laut Einschätzung der Direktinvestoren weiter eintrüben: Konkret sind für 27% der Betriebe die Geschäftserwartungen negativ, nur für 2% geht es aufwärts. Damit herrscht in diesem Sektor im Branchenvergleich das schlechteste Geschäftsklima. Seit Mitte 2010 ist zudem ein, wenn auch nur gemäßigter, Rückzug der Energie- und Wasserversorger aus der Region feststellbar.

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Mag. Wolfgang Lueghammer
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