03.05.2012

Mehr Optimismus als zu Jahresbeginn – Direktinvestoren rechnen mit einer Konjunkturbelebung und in der Folge steigenden Exporten aus Österreich nach MOE

Die rund 400 Headquarters, die von Österreich aus ihre 1.400
MOE-Unternehmensbeteiligungen steuern, wurden im April erneut von der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) zu ihren Einschätzungen und Erwartungen hinsichtlich der Konjunktur- und Geschäftsentwicklung in der Region befragt. Das wichtigste Ergebnis: Die Stimmung unter den Direktinvestoren für die Gesamtregion Mittelosteuropa hat sich seit Jänner 2012 merklich verbessert. Für die kommenden zwölf Monate wird ein Anziehen der Konjunktur und damit einhergehend ein Anstieg der österreichischen Exporte nach MOE erwartet.

Laut der aktuellen Erhebung zum OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa hellt sich das Geschäftsklima in der Gesamtregion im April merklich auf, der Geschäftsklima-Indikator steigt um 10 Prozentpunkte auf +24. Zurückzuführen ist dies auf eine deutlich optimistischere Beurteilung der Direktinvestoren hinsichtlich der Geschäftsaussichten ihrer MOE-Niederlassungen. Der entsprechende Indikator klettert um 18 Prozentpunkte auf +24. Hinsichtlich der Aktuellen Geschäftslage hat sich das Bild hingegen seit der letzten Erhebung kaum verändert. Bezüglich des Ausbaus bestehender Beteiligungen gibt es gegenüber Jänner keine strategische Neuorientierung: So legt der Indikator der Erweiterungsinvestitionen mit einem Plus von 3 Prozentpunkten nur geringfügig zu. Es geht weiterhin um Konsolidierung der bestehenden Standorte bzw. vorsichtige Expansion in der Region. Konkret sollen in den nächsten zwölf Monaten 80% der Unternehmensbeteiligungen unverändert beibehalten werden, 14% stehen vor einem Ausbau und die übrigen Standorte vor einem Abbau. Darüber hinaus befinden sich 38 Markteintrittsprojekte in Planung, wobei die wichtigsten Zielländer Polen, Serbien, Kroatien und Rumänien sind.

OeKB Geschäftsklima Mittelosteuropa; MOE insgesamt (Salden in Prozentpunkten)

OeKB Geschäftsklima Mittelosteuropa; MOE insgesamt (Salden in Prozentpunkten)
OeKB Geschäftsklima Mittelosteuropa; MOE insgesamt (Salden in Prozentpunkten)

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Konjunkturaufhellung als Chance für österreichische Exporteure

Neben der Einschätzung der Geschäftsperspektiven für die MOE-Niederlassungen korrigieren die Direktinvestoren auch ihre Konjunkturerwartungen für die Region deutlich nach oben. Mit einem Plus von 21 Prozentpunkten steigt der entsprechende Indikator zum ersten Mal seit Jänner 2011. Dies kann als Hinweis dafür interpretiert werden, dass die Erhebungsteilnehmer die jüngsten Maßnahmen zur Eindämmung der europäischen Schuldenkrise als positiv für die Entwicklung der Volkswirtschaften in Mittelosteuropa bewerten. Eine Belebung der Konjunktur in der Region wird sich nach Einschätzung der Direktinvestoren auch positiv auf Österreich auswirken: So klettert der Exportindikator, welcher die Erwartungen der Erhebungsteilnehmer hinsichtlich der Exportumsätze in den MOEL misst, um 16 Prozentpunkte und übersteigt damit erstmals seit Juli 2011 wieder seinen langfristigen Durchschnittswert. Besonders große Chancen für eine Steigerung ihrer Exportumsätze in Mittelosteuropa sehen die Unternehmen aus dem Finanzwesen sowie aus dem Dienstleistungssektor.

Rumänien im Aufwind

Bei einer Analyse der Erhebungsergebnisse auf Länderebene sticht besonders die Entwicklung in Rumänien hervor: Der Konjunkturindikator für den EU-Mitgliedsstaat dreht im April 2012 mit einem Anstieg von 29 Prozentpunkte deutlich in den positiven Bereich. Dies bedeutet, dass im Gegensatz zur Erhebung im Jänner ein größerer Anteil der Meldungen von einer Verbesserung der wirtschaftliche Situation in den kommenden zwölf Monaten ausgeht (aktuell: 33 %), als von einer Verschlechterung (10 %). Der herrschende Konjunkturoptimismus spiegelt sich auch in einer deutlichen Aufhellung des Geschäftsklimas in Rumänien wider (Indikatoranstieg um 14 Prozentpunkte). Damit herrscht in Rumänien derzeit nach Russland, Polen und Tschechien das günstigste Geschäftsklima in Mittelosteuropa. Die größten Zuwächse bei den Konjunktur- und Geschäftsklima Indikatoren werden in der aktuellen Erhebung allerdings für Ungarn verzeichnet. Dies bedeutet jedoch lediglich eine Erholung auf niedrigem Niveau, nachdem sich das Geschäftsklima im Land im zweiten Halbjahr 2011 drastisch verschlechtert hatte: Die Kern Indikatoren weisen für Ungarn weiterhin die mit Abstand geringsten Werte im Ländervergleich aus und verharren im negativen Bereich.

Stimmungswandel bei den Energie- und Wasserversorgern

Eine Erholung des Geschäftsklimas nach zuletzt starker Abkühlung ist derzeit auch in der Energie- und Wasserversorgungswirtschaft zu beobachten: Nach sechs Rückgängen in Folge legt der Geschäftsklima-Indikator im April 2012 um 26 Prozentpunkte zu. Zum einen melden die Direktinvestoren eine Verbesserung der Geschäftssituation ihrer MOE-Beteiligungen, zum anderen sind die Erhebungsteilnehmer im Vergleich zum Jänner nahezu "euphorisch" in Bezug auf die künftigen Perspektiven ihrer Niederlassungen vor Ort. Dies schlägt sich in einem Anstieg des Indikators der Geschäftserwartungen um 42 Prozentpunkte nieder. Verwiesen im Jänner noch 27 % der Meldungen auf einen negativen Ausblick und nur 2 % auf einen positiven, so hat sich das Verhältnis in der aktuellen Erhebung nahezu umgedreht: Für 21 % der MOE-Niederlassungen im Bereich Energie- und Wasserversorgung wird eine Performance-Steigerung erwartet, nur 4 % stehen vor einem Abschwung (für die übrigen Betriebe wird von einer gleichbleibenden Geschäftsentwicklung ausgegangen).

Unterschiedliche Entwicklung bei Finanzdienstleistungssparten

Erstmals seit Juli 2011 wird das Geschäftsklima im Bankwesen wieder etwas besser beurteilt als jenes in der Versicherungsbranche. So hat sich das Geschäftsklima aus Sicht der Banken im April 2012 merklich aufgehellt (um 15 Prozentpunkte), während für die Assekuranzen eine leichte Abkühlung gemeldet wird (-3 Prozentpunkte). Die positive Stimmung unter den Finanzinstituten begründet sich in der – im Vergleich zur letzten Erhebung – deutlich optimistischeren Beurteilung der künftigen Geschäftsperspektiven der Niederlassungen vor Ort, wie die Steigerung des entsprechenden Indikators um 29 Prozentpunkte zeigt (Versicherungen: lediglich +3 Prozentpunkte). Die starke Aufwärtsbewegung bei den Banken ist aber auch im Kontext der Ausgangslage zu sehen: Im Jänner wies der Indikator der Geschäftserwartungen noch einen negativen Wert aus, d.h. zu diesem Zeitpunkt überstiegen die pessimistischen Meldungen zu den Geschäftsaussichten noch die zuversichtlichen. Die Ist Situation der Bankentöchter in MOE bewerten die Erhebungsteilnehmer gegenüber der letzten Erhebung nahezu unverändert, für die Versicherungen wird hingegen eine Verschlechterung der Geschäftslage gegenüber Jänner festgestellt.

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Mag. Wolfgang Lueghammer
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