02.05.2013

Unternehmen beurteilen aktuelle Geschäftslage und Geschäftsperspektiven in MOE vorsichtiger - Konjunktur kann nicht an Kraft gewinnen.

Die aktuellste Erhebung zum OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa (MOE) zeigt eine leichte Eintrübung des Geschäftsklimas in der Region. Der Indexwert des Geschäftsklimas (2007=100) liegt im April bei 81,8 nach 83,4 im Jänner. Die Unternehmen bewerten dabei nicht nur die aktuelle Geschäftslage ihrer MOE-Beteiligungen etwas schlechter, sie sind auch vorsichtiger bei ihrem Ausblick für die kommenden sechs Monate. Für Russland und Polen wird die Entwicklung sehr positiv eingeschätzt. Slowenien zeigt sich hingegen in der Krise. Die Baubranche ist trotz Unzufriedenheit mit dem aktuellen Geschäftsgang optimistisch. Insgesamt basieren diese Einschätzungen und Erwartungen, die die Oesterreichische Kontrollbank quartalsweise erhebt und zu einzelnen Frühindikatoren verdichtet, auf Befragungen von rund 400 Headquarters, die von Österreich aus ca. 1.500 MOE-Beteiligungen steuern.

Die überwiegende Mehrzahl der Befragungsteilnehmer zeigt sich im April mit der aktuellen Geschäftslage in Mittelosteuropa (MOE) zwar nach wie vor zufrieden, dennoch herrscht insgesamt etwas mehr Zurückhaltung als noch im Jänner: Der Index der Aktuellen Geschäftslage sinkt im April auf 81,7 gegenüber 83,2 zu Jahresbeginn.

Innerhalb der Region ist das Bild uneinheitlich. Während in Bulgarien, Ungarn und in Slowenien die Geschäfte der Beteiligungen zu einem großen Teil schlecht laufen, sind die Bewertungen insbesondere für Russland und Polen, aber auch für Tschechien und die Ukraine sehr positiv.

Differenziert nach einzelnen Branchen, konzentriert sich die Unzufriedenheit mit der aktuellen Geschäftssituation primär auf den Bausektor und die Energie- und Wasserversorgungswirtschaft: So gab es im April für 39 % der Betriebe aus dem Bausektor und 44 % der Betriebe aus der Energie- und Wasserversorgungswirtschaft negative Performance-Meldungen.

Vorsichtigere Einschätzung der Geschäftsperspektiven

Die Geschäftsperspektiven in MOE für das kommende Halbjahr haben sich ebenfalls etwas eingetrübt. Der Index der Geschäftserwartungen steht im April bei 82,1 nach 83,7 im Jänner. Die gestiegene Vorsicht betrifft die meisten der insgesamt zwölf im Detail analysierten Länder, mit Ausnahme der Slowakei und Kroatiens: In diesen beiden Ländern wird von einer etwas stärkeren Geschäftsdynamik ausgegangen als noch zu Jahresbeginn.

Auf Branchenebene schauen vor allem das krisengeschüttelte Bauwesen sowie die Versicherungswirtschaft sehr zuversichtlich in die nahe Zukunft. Banken, die Energie- und Wasserversorgungswirtschaft und die Sachgütererzeugung zeigen sich bei ihrem Halbjahresausblick eher zurückhaltend.

MOE insgesamt: Geschäftslage, Geschäftserwartungen, Geschäftsklima (Index: Mittelwert 2007=100)

MOE insgesamt: Geschäftslage, Geschäftserwartungen, Geschäftsklima (Index: Mittelwert 2007=100)
MOE insgesamt: Geschäftslage, Geschäftserwartungen, Geschäftsklima (Index: Mittelwert 2007=100)

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Konjunkturmotor springt noch nicht an

Laut den Erhebungsteilnehmern wird die Konjunktur in Mittelosteuropa im weiteren Jahresverlauf 2013 nicht wesentlich an Dynamik gewinnen. Die überwiegende Mehrzahl der Meldungen geht für die kommenden zwölf Monate von einer gleichbleibenden Wirtschaftsentwicklung in der Region aus. Rund ein Fünftel sieht eine Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Performance. Konjunkturpessimismus herrscht insbesondere für die Ukraine, Bulgarien, Ungarn und Slowenien, während in Russland durchaus Hoffnung auf eine weitere leichte Verbesserung der Wirtschaftsentwicklung besteht. Für die Gesamtregion Mittelosteuropa sinkt der Konjunktur-Index im April um 4,2 Punkte auf einen Wert von 75,6.

Regional unterschiedliche Investitionsstrategien

Vorsichtig äußern sich die Befragungsteilnehmer auch bezüglich des Ausbaus bestehender Beteiligungen: Der Index der Erweiterungsinvestitionen sinkt gegenüber Jänner um 2,1 Punkte auf einen Wert von 84,7 und weist insgesamt auf eine Konsolidierung der bestehenden Standorte in der Region hin. Einzig die Energie- und Wasserversorgungswirtschaft signalisiert – wie schon im Jänner – einen Rückzug aus Mittelosteuropa: Knapp 40 % der Beteiligungen stehen vor einem Abbau. Auch regional gibt es Unterschiede bei den Investitionsstrategien. Vor allem in Russland, der Ukraine und Polen soll die künftige Marktpräsenz ausgebaut werden, während insbesondere in Ungarn, Kroatien und Bulgarien jeweils mehr Standortverkleinerungen oder -schließungen geplant sind als Erweiterungen.

Slowenien in der Krise

Sämtliche Kernindikatoren zeigen im April für Slowenien deutlich nach unten. So wird sich laut den Einschätzungen der befragten Direktinvestoren die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten weiter verschlechtern. Konkret sprechen 42 % der Meldungen von einer Verschärfung der Situation. Im April schlägt sich zudem die schwierige Situation des Landes und vor allem auch die Ungewissheit, ob Slowenien um internationale Finanzhilfe ansuchen muss, direkt auf die aktuelle Geschäftsperformance der Unternehmensbeteiligungen durch. Für rund ein Drittel aller Betriebe vor Ort wird ein schlechter Geschäftsgang gemeldet. Der entsprechende Index der Aktuellen Geschäftslage bricht gegenüber Jänner um 9,3 Punkte auf einen Wert von 70,1 ein. Darüber hinaus werden auch die Geschäftsperspektiven für das nächste Halbjahr nicht allzu rosig gesehen, sodass sich insgesamt das Geschäftsklima markant eingetrübt hat. In seiner Funktion als Frühindikator weist der Geschäftsklima-Index für Slowenien bereits seit längerem auf die sich verschlechternde gesamtwirtschaftliche Situation hin: So erreicht der Index im April 2013 nach mehreren Rückgängen nur mehr einen Wert von 72,9 (ausgehend von einem Durchschnittswert von 100 im Jahr 2007) und zeigt damit auch im direkten Ländervergleich die insgesamt stärkste Abwärtsbewegung.

Trotz mäßigen Geschäftsgangs Optimismus in der Baubranche

Die Situation der Bauwirtschaft gestaltete sich 2012 und auch in den ersten Monaten 2013 schwierig. So wird die Aktuelle Geschäftslage im April für 39 % der Baubeteiligungen negativ bewertet. Auch in einer längerfristigen Betrachtung zeigt sich, dass die Baukonjunktur in Mittelosteuropa unter sehr schwierigen Bedingungen zu kämpfen hatte. So liegt der Index der Aktuellen Geschäftslage für den Bausektor im April 2013 mit 72,8 nicht nur deutlich unter seinem Ausgangswert von 100 (Jahresdurchschnitt 2007), sondern er gehört auch im direkten Branchenvergleich zu jenen Sektoren, die besonders stark unter den krisenbedingten Einflüssen zu leiden hatten.

Zur Illustration: Der Bereich der Sonstigen Dienste (Beherbergungs- und Gaststättenwesen, Wäschereien etc.) weist im April beim Geschäftsklima einen Indexwert von 93,5 auf. Bemerkenswert ist vor diesem Hintergrund der ausgeprägte Optimismus des Bausektors im April, was die Geschäftsperspektiven der nächsten sechs Monate betrifft. Von allen Branchen im Vergleich blickt die Bauwirtschaft am zuversichtlichsten ins nächste Halbjahr.

Der OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa (MOE) basiert auf vierteljährlichen Primärerhebungen unter rund 400 Entscheidungsträgern von MOE-Headquarters mit Sitz in Österreich, die zu rund 1.500 ihrer Unternehmensbeteiligungen in Mittelosteuropa befragt werden. Erhoben werden die Einschätzungen der Direktinvestoren zur Aktuellen Geschäftslage sowie deren Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den Unternehmensbeteiligungen vor Ort (Geschäftsklima), Expansions- und Investitionsstrategien der Unternehmen in MOE, Beurteilungen der Standortqualität Österreichs als Brückenkopf für das Mittelosteuropa-Geschäft und schließlich Einschätzungen zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung in der Region.

Der OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa bietet differenzierte Analysen nach Ländern, Branchen und Unternehmensgrößen. Als Ergebnis stehen der Wirtschaft Frühindikatoren zur Verfügung, die praxisnahe Aussagen und Prognosen unter anderem über den Geschäftserfolg von Direktinvestoren in einzelnen Ländern Mittelosteuropas und in der Gesamtregion ermöglichen.

Über die OeKB

Die Oesterreichische Kontrollbank Aktiengesellschaft (OeKB) ist Österreichs zentraler Finanz- und Informationsdienstleister für Exportwirtschaft und Kapitalmarkt. Ihre speziellen Services stärken den Standort Österreich und unterstützen die Wirtschaft im globalen Wettbewerb. Die vielfältigen Dienstleistungen stehen Unternehmen und Finanzinstitutionen sowie Einrichtungen der Republik Österreich zur Verfügung.
Die OeKB handelt sektorübergreifend, zentral, neutral und in Übereinstimmung mit ihrer Nachhaltigkeitspolitik. Das 1946 gegründete Spezialinstitut steht im Eigentum österreichischer Banken.

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